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Mit dem Wort Halal werden üblicherweise die Bereiche Nahrung und Kleidung assoziiert und bedacht. Doch in Wirklichkeit ist der Halal-Rahmen viel größer. Halal bedeutet alles, was nicht verboten, d. h., was „mubah“ oder „dschâiz“ ist und dessen Verrichtung von Gott nicht verboten wurde.
Der Gegensatz zu Halal ist Haram. Haram bedeutet, dass etwas ausdrücklich mit einem Verbot Gottes untersagt ist. Dadurch, dass das Verbotene begrenzt ist, ist das Spektrum von Halal viel umfassender. Deshalb wurde im islamischen Recht ein Grundsatz formuliert, wonach alles erlaubt ist, außer es wurde eindeutig verboten. Demnach heißt es im Koran: „Er ist es, der für euch alles auf Erden erschuf. Dann wandte er sich dem Himmel zu und bildete ihn zu sieben Himmeln; und er hat Macht über alle Dinge.“[2:29]„Seht ihr denn nicht, dass euch Allah alles in den Himmeln und auf Erden dienstbar machte und seine Gnade über euch ausgoss, sichtbar und unsichtbar? Und doch streiten einige über Allah - ohne Wissen, ohne Anleitung und ohne erleuchtendes Buch.“[31:20] Der Islam sieht vor, dass man sich von den als haram verstandenen Dingen in diversen Lebensbereichen wie Verhalten, Nahrung und Kleidung fernhält. Der Mensch darf also alles nutzen und tun, was nicht als haram verstanden definiert ist. Sollte es jedoch so kommen, dass der Mensch den Halal-Rahmen überschreitet, soll er sich von dem Verbotenen wieder zurückziehen und die ihm verbotenen Dinge aus seinem Leben eliminieren. Gott hält uns von Dingen fern, die uns Schaden zufügen könnten. Denn die verwehrten Dinge enthalten gewisse Schändlichkeiten, die unser Leben, diesseitig oder jenseitig, negativ beeinflussen können. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir den Schaden mit unserem menschlichen Verstand begreifen können oder nicht. Die als haram betrachteten Dinge sind in ihrem Sein schlecht und schädlich für den Menschen, deshalb hat ihnen der Islam die Bezeichnungen „Ism”, „Zanb”, „Isyân” und „Dschurm” (zu deutsch Sünde, im Türksichen „Günah”) gegeben. Sünde bedeutet, dass man sich gegen Gott auflehnt. Aus genau diesem Grund heraus gilt sie als ein großes Verbrechen gegenüber Gott. Jedoch wurde der Begriff der Sünde klassifiziert; es gibt große und kleine Sünden. Wenn man sich von großen Sünden enthält, können diese Bemühungen dazu führen, dass die kleinen Sünden von Gott getilgt werden: „Wenn ihr die großen Sünden meidet unter dem, was euch verboten ist, werden wir eure (geringeren) Vergehen auslöschen und euch in einen ehrenvollen Ort führen.“[4:31] Ein Leben innerhalb des Halal-Rahmens heißt sich von großen und kleinen Sünden fernzuhalten und ein Leben danach zu formen. Es ist erwähnenswert, dass obwohl das Verbotene begrenzt ist, es in jedem Lebensbereich auftreten kann. Daher sollte man achtsam sein. Die größten und somit verbotenen Sünden des Islams sind: Gott andere Gottheiten beigesellen (Schirk), einer tugendhaften Person Unzucht (Zinâ) vorwerfen, einen Menschen töten, das Gut eines Waisen veruntreuen, die Hoffnung in die Barmherzigkeit Gottes verlieren, Zinsen nehmen, Meineid leisten, Schweinefleisch verzehren, Glücksspiel spielen, Unzucht begehen, an einem Tisch sitzen, an dem Alkohol konsumiert wird, aus einem goldenen oder silbernen Gefäß essen, das Tragen seidener Kleidung und goldener Ringe (bei Männern), das Tragen von Medaillen oder ähnlichem (auf Türkisch „Nazar boncuğu”), mit der Erwartung des Schutzes, Magie und Zauberei, Wucher und das Aufstocken von Lebensmittel,das Verkaufen von Blut, das Erzielen von Gewinn durch Verbotenes wie Alkohol oder Schweinefleisch, das Tragen von eng anliegender und transparenter Kleidung (insbesondere bei Frauen), die üble Nachrede, das Fluchen, die vorsätzliche Beschuldigung und die Zerstörung der zwischenmenschlichen Beziehung durch die Verbreitung von Lügen, die Belustigung von Menschen, das Lästern, die Zufügung eines Schadens mit Feuer oder mit einem anderen Gegenstand an irgendeinem Lebewesen, ein lebendiges Tier als Zielscheibe für Würfe nutzen, Frauen, Kinder und ältere Menschen umbringen, ob im Krieg oder nicht, usw... Damit ein Mensch ein gewissen- und ehrenhafter Muslim werden kann, sollte er sich an diese Richtlinien halten und sich von Sünden, wie den Erwähnten fern halten. Um eine Sache für halal erklären zu können, bedarf es dreier Angaben: Es ist entweder explizit geschildert, dass etwas keine Sünde ist, d. h., dass kein Beleg (Nass) wie ein Vers oder ein Hadith vorhanden ist oder, dass es einen Beleg gibt, in der diese Sache explizit als haram deklariert wird. So wie in den folgenden Versen: „Verboten hat er euch nur Krepiertes und Blut und Schweinefleisch und das, worüber ein anderer als Allah angerufen wurde. Wer aber dazu gezwungen ist, ohne Verlangen danach und ohne (das Maß) zu übertreten, auf dem sei keine Sünde; siehe Allah ist verzeihend und barmherzig.”[2:173],„Heute sind euch alle guten Dinge erlaubt...”[5:5] Ob etwas halal ist oder nicht, ist abhängig von der Situation und Zeit. Der Mensch kann sich vergnügen. Jedoch ist es untersagt, dass sich der Mensch gänzlich diesem Vergnügen widmet. Ferner ist es zum Beispiel erlaubt – falls man keine anderen Nahrungsmittel zum Leben ausfindig machen kann, die halal sind – auch Verbotenes zu sich zu nehmen, jedoch nur so lange und so viel, dass man nicht dem Tode ausgesetzt wird. Gott möchte, dass seine Gaben von seinen Geschöpfen verwendet werden. Deshalb ist es im erlaubten Rahmen nicht verwehrt, sich schön zu machen und zu kleiden. Im Koran wird diesbezüglich gesagt: „O ihr Kinder Adams! Wir gaben euch Kleidung, eure Blöße zu bedecken, und als Prunkgewänder. O ihr Kinder Adams! Zieht euch für jede Gebetsstätte schön an und esst und trinkt, aber schweift nicht aus.“[7:26][7:27][7:28][7:29][7: 30] [7: 31] „Sprich: „Wer hat denn die schönen Dinge verboten, die Allah für seine Diener erschaffen hat, und die guten Speisen? “ Sprich: „Sie sind für die Gläubigen im irdischen Leben, ausschließlich aber (für sie) vom Tag der Auferstehung an.“ So machen wir den Verständigen die Zeichen klar.“[7:32] Der Sport, der der körperlichen sowie seelischen Gesundheit des Menschen nützt, ist halal. Bogenschießen, Reiten, Schwimmen, Ringen undPferderennen gehören zur Sunna des Propheten und sind daher empfehlenswert. Der Gesandte Gottes mochte große und geräumige Wohnungen. Aus diesem Grund sagte er: „Drei Dinge machen einen Menschen glücklich: eine ehrenhafte Frau, eine große Wohnung und ein gutes Fuhrwerk.“[1] In anderen Überlieferungen wird zusätzlich „ein guter Nachbar”[2] erwähnt. Gelegentlich machte der Prophet dieses Bittgebet: „Mein Gott, vergebe mir meinen Sünden und gebe mir Freiraum in meinem Haus und beschere mir Lebensunterhalt!“[3] Die Tätigkeit in der Landwirtschaft, im Handel oder in der Viehzucht – solange sie im erlaubten Rahmen ist – ist eine Arbeit auf dem Wege zur Bestreitung des Lebensunterhalts, die dem Menschen zudem den Lohn eines Gottesdienstes (Ibâda) bringt. Als der Prophet gefragt wurde, welcher Verdienst besser sei, antwortete er: „Der Verdienst des Menschen, der mit den eigenen Händen erarbeitet wurde, und der erlaubte Handel.“[4] Ein Leben im Rahmen des Erlaubten umfasst die oben erwähnten Aspekte sowie alle anderen Lebensbereiche. Es ist jedoch auch wichtig, dass man in diesem Rahmen keine Überschreitungen begeht und im erlaubten Rahmen nicht übertreibt, dem Luxus verfällt und zu viel Energie und Zeit in unnütze Aktivitäten investiert. Es ist wichtig, den Fokus auf das gesamte Halal-Spektrum zu richten und nicht nur die Bereiche Essen und Trinken, Kleidung und Handel zu bedenken. Denn außerhalb dieser Aspekte gibt es noch weitere Bereiche, denen die gleiche Bedeutung zugesprochen wird. Beim Kontakt mit anderen Menschen sollte man den Halal-Rahmen wahren und die Rechte seiner Mitmenschen beachten und nicht verletzen. Falls ein Schaden auf materieller Seite besteht, sollte er behoben werden, in dem derselbe Wert des geschädigten Gegenstandes zurückgezahlt wird. Falls der Schaden auf spiritueller Ebene liegt, sollte eine Entschuldigung ausgesprochen, Reue gezeigt und Bittgebete für die verletzte Person gesprochen werden. Quelle: igmg (Aus dem Türkischen übersetzt von Kevser Erol) |